28.7.2004               Strecke Arvidjaur – Palojoensua (Finnland): 416 km   unterwegs: 7 Stunden 30 Minuten

Sehr gut ausgeruht, trotz der musikalischen Mückennacht, brechen wir bereits um 9:00Uhr auf zur nächsten Etappe.

Den Vormittag verbringen wir damit zu erraten, wie die vormals liebenswerten, dann lästige, nun tote Mücken den Weg ins Womo gefunden haben könnten. Diese Frage sollte noch eine weitere Nacht ungeklärt bleiben!.

Um halb 12 erreichen wir bei warmen  20 Grad den Polarkreis bei Jokkmokk.

Die ganze Landschaft drum herum hatte ich mir völlig anders vorgestellt: Zwar sind schon seit gestern die Bäume kleiner, aber von Tundra oder „wie im Norden“ sind wir noch weit entfernt. Die Landschaft ist immer noch wie in Mittelschweden, nur von allem mehr; mehr Wald, mehr Moorlandschaft, mehr Wasser (Seen, Flüsse), mehr Einsamkeit. 

Es gibt an dieser Station eine große Hinweistafel, die dem Besucher erklärt, was überhaupt der Polarkreis ist und, darüber hinaus, in bevorzugter Lage ein großes Souvenirgeschäft mit Cafe.

         

Selbstverständlich decken wir hier unseren Bedarf an Mitbringsel dieses Großereignisses: Zertifikat,  Karten mit Spezialstempel, Eis (das natürlich auf dem T-Shirt landet) und mit einem neuen T-Shirt. Die Mittagspause benutzen wir, jeden Quadratzentimeter der Station zu fotografieren.

Schlag auf Schlag nehmen wir hinter dem Polarkreis dann doch Veränderungen wahr: Immer mehr Rentiere kreuzen die Straße, die Tannen werden in den Moorgebieten gespenstig schlank und verschwinden für lange Zeit fast ganz aus dem Landschaftsbild; nun dominieren die Birken. An vielen freien Flächen bemerken wir Holzbarrieren, vermutlich sollen sie Schneeverwehungen von der Straße fern halten; neben zahlreichen Margaritengruppen finden wir das erste Wollgras, das wir fotografieren können; schon lange begleitet die Inlandsbanan, die wichtige Schienenverbindung zwischen dem Süden Schwedens und der norwegischen Grenze im Nordwesten unsere 45, den Inlandsvägen.

          

Der Staudamm am Stora Luleälvan ist uns wegen seiner interessanten, der samischen Mythologie entnommenen Bemalung eine Fotopause wert genauso wie der imposant dahinbrausende Piteälv.

             

Die schwedisch finnische Grenze passieren wir bei Karasuando völlig unspektakulär, es ändert sich nur der Fahrbahnbelag und die Ortsschilder werden  komplizierter zu lesen.

Wir finden einen unscheinbaren kleinen Campingplatz, der sehr gepflegt und gemütlich ist. Die Rezeption ist von einem etwa 14 jährigen Mädchen besetzt, die versteht, dass wir nur eine Nacht bleiben wollen und Strom brauchen. Ich verstehe sie soweit, dass das Duschen nichts kostet und wir uns  einen der vier Stellplätze aussuchen können.

Mit Norbert erkunde ich am Abend das Campingplatzgelände – ca. 70m in alle Richtungen, so fällt der Abendspaziergang auch wegen der zutraulichen Mücken sehr, SEHR kurz aus.

              

Wir wenden vor dem Schlafengehen alle theoretischen Erkenntnisse der Mückenabwehr an und…… hören dem Gesumme in der Nacht mit leichten, stetig wachsenden Aggressionen zu.

 

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