13.8.2005                    Strecke Geiranger – Ringebu: 240 km       unterwegs: 8 Stunden 45 Minuten

An einem Freitag den 13. sollte man doch eigentlich keine großen Pläne schmieden, oder?  Unabergläubisch wie wir sind setzen wir uns über alle Bedenken hinweg.

Um halb zehn brechen wir auf zum Geirangerfjord.

Das Schild Zick - Zack Strecke auf den nächsten 7 km ignorieren wir, denn Slalomfahren sind wir ja inzwischen gewohnt.

Dass wir allerdings und nun von einer Höhe von 600 – 700m in 11 Haarnadelkurven mit einem Gefälle von 10% den Berg hinunterstürzen werden müssen, können wir vorher nicht ahnen. (Zahlenangaben ohne Gewähr da subjektiv)

Wieder muss ich mich zwischen „mit beiden Füßen bremsen“, „Angst haben“ und dem „was für eine wunderbare Aussicht“ entscheiden. Ich nehme von allem etwas und bewundere zugleich die Menschen, die an solchen Hängen wohnen.

Zum Glück gelingt es mir, die tolle Aussicht auf den Geirangerfjord wahrzunehmen, dessen Wasser in einem leuchtenden Türkis alles zu überstrahlen scheint.

Geiranger scheint nur aus Hotels und Souvenirläden zu bestehen, letzteres durchstöbern wir natürlich ausgiebig, alleine um die Zeit bis zur geplanten Bootsfahrt, auch Sightseeingtour genannt, zu verkürzen. Von der Anlegestelle aus beobachten wir, wie ein britisches Kreuzfahrschiff seine Gäste ausschippert und im Pendelverkehr wieder zurück holt.

        

In einem bunten Völkergemisch aller Nationalitäten erwarten wir die Ankunft unseres Bootes, das letztendlich auch richtig voll wird.

Unser Stehplatz an der Reling erweist sich während der Fahrt als ausgezeichnet zum Fotografieren, doch auf dem Wasser ist es richtig kalt.

Die Begrüßung durch die nette Stimme der Bandansage und die Erläuterungen zu den Sehenswürdigkeiten erfolgt in vier Sprachen, so dass die Franzosen immer erst dann das erklärt bekamen, was wir 5 Minuten zuvor gesehen hatten.

Die „Sieben Schwestern“ sind auf Grund von Wassermangel heute nur sechs und „Der Verehrer“ auf der gegenüberliegenden Seite hat daher weniger Auswahl.

Die Geschichten und Anekdoten, die sich um den Geirangerfjord ranken sind ebenso zahlreich, wie die entlang des Rheins an der Loreley.

Damit enden aber auch schon die Vergleiche, denn beide Ziele haben ihre ganz eigene Atmosphäre, wir erliegen der des Geirangerfjordes.

Wir genießen die Fahrt  als ein ganz besonders Erlebnis.

    

Um 13 Uhr fahren wir weiter zum Dalsnibba. Und schon wieder wird meine Nervenbelastung auf ein harte Probe gestellt: In hundert Haarnadelkurven geht`s  hinauf auf etwa 1000m. Doch Norbert hat noch nicht genug: Er will den Geirangerfjord von ganz oben sehen, also zahlen wir am der Station Djupvattnet 60 Kronen für eine Wegstrecke, die mörderisch wird. Auf einer im Grunde einspurigen Geröllpiste quälen wir, O.K. Norbert nicht, uns die 5 Kilometer lange Steigung(14%) hoch; nur manchmal gibt es eine Andeutung von Leitplanken in Form von Kieselsteinen, so sehen sie jedenfalls aus meiner Sitzhöhe aus und mir kommt es so vor, als führen wir immer nur am Abgrund entlang. Die wenigen Augenblicke, in der in unserer Fahrtrichtung auch der Berghang liegt sind selten und viel zu kurz. Warum muss Norbert mich eigentlich immerzu auffordern: “Guck mal, die Aussicht, einmalig.“ Irgendwie kann ich nur dieses einmalig richtig verstehen.

Aber oben angekommen ist die Aussicht einzigartig.

    

Den Weg hinunter leiste ich Meike Gesellschaft, zähle unaufhörlich immer wieder bis 60 um in etwa die Zeit abzuschätzen, wann wir unten sind. Thomas filmt die „Abfahrt“ aus dem offenen Fenster heraus und hat mit Norbert viel Spaß!

Die Fortsetzung der Fahrt Richtung Otta auf der RV 15 führt stetig sanft abwärts durch das Olderdalen.

Gegen halb sechs beginnen wir, nun wieder auf der E6 nach einem Campingplatz Ausschau zu halten und fahren einen einladenden Weg zu einem ausgeschilderten Platz an. Das erste Gebäude sieht nicht aus wie eine Rezeption, also fahren wir weiter auf einer abschüssigen Wiese und landen vor einem Zaun. Hier geht es also nicht weiter. Norbert will wenden. Parallel zum Hang geht das auch. Rückwärtsgang rein - 90°Wende: Nun steht er mit der Womo Nase direkt vor einer kleinen offenen Stuga, deren Besitzer nebenan in der Sonne sitzen. Um sicher am Häuschen vorbeizukommen müsste er noch einen Meter zurücksetzen – der Radius wird wegen des Alkovens sonst zu eng. Doch statt rückwärts zu fahren schleudern die Reifen bei der nächsten Aktion des Wendens nur Erde vor die Stugatür und das Womo rutscht näher ran. Zweiter Versuch: Das selbe Ergebnis. Nun ist es Norbert, dem der Angstschweiß auf der Stirn steht: Noch so ein Versuch und er landet in dem Ferienhaus! Kupplung treten – schalten – kraftvoll Gas geben – die Handbremse knallen lassen --- und das Womo fährt nun die erforderlichen zwei Meter rückwärts den Hang hinauf, nicht ohne noch eine Ladung Erde vor der Eingangstür abzulegen.

Mit gestresster Mine tuckern wir den gekommenen Weg zurück und verlassen das Grundstück etwas schuldbewusst, aber dass wir da unten vor einem Zaun stehen würden konnten wir ja vorher nicht wissen.

Wenig später finden wir den eigentlich eingeplanten Campingplatz Elstad Camping, der letzte unserer langen Reise. Ein bisschen Wehmut kommt auf, als wir zum letzten Mal einchecken.

Der Platz ist absolute Spitzenklasse, sehr gepflegt, sehr hell und freundlich.

Wir sacken am Abend müde und auch ein wenig traurig in die Kissen, denn unser Zigeunerleben findet heute den Abschluss.

 

                                                              

   Dovre Fjell                                                                                                                         Startseite Abschluss