27.7.2004                   Strecke Hammerdal – Arvidsjaur: 413 km   unterwegs: 5 Stunden 55 Minuten

Heute ist der Tag unserer Silberhochzeit, und bereits am frühen Morgen erwischen uns Oma und Opa am Handy um ihre Glückwünsche loszuwerden. Meike und Thomas haben eine Karte mit Gutschein vorbereitet und eine widerstandsfähige Topfblume im Kleiderschrank versteckt - die wird den Rest der Reise im Waschbecken im komfortablem Bad des Womos verbringen dürfen, da ist wenigstens etwas Licht.

Der heutige Tag soll uns bis Lappland bringen.

Doch zuvor entleeren wir einige Schüsseln extrem stinkender Brühe aus dem Abwassertank; was mit „geschlossenem Abwassersystem“ gemeint ist, verstehen wir jetzt – nämlich ein Extratank, den man unter das Womo stellen kann. Aber wir haben so was nicht, also benutzen wir heute die Schüssel. 

Unsere Lieblingsbeschäftigung wird das nicht, aber wir haben das Gefühl, dass der Tank jetzt leerer ist.

Den Frischwassertank befüllen wir mit einem Schlauch, das ist dann doch etwas bequemer  als die Gießkannenvariante.

On the Road again sind wir um 10:15Uhr.

Norbert hat sich gerade so „eingegrüßt“ (Womofahrer grüßen sich – gut, dass wir das schnell kapiert haben) als er, so wie der Wohnwagenfahrer vor ihm, langsamer fährt und wie panisch nach der Filmkamera brüllt. Logischerweise will diese nicht komplett aus dem Korb neben dem Fahrersitz, bleibt mit allen Klappen, Riemchen und zuletzt dem Objektiv im Gitter hängen, was Norbert überhaupt nicht daran hindert in noch größerer Panik und Verzweiflung nach der Kamera zu verlangen.

Schließlich ist das Gerät betriebsbereit – Norbert würde sagen Stunden später….-, da sehen wir das Objekt seiner ich spring gleich aus dem Fenster Begierde: eine Rentierkuh führt ihr Kleines auf der Straße spazieren.  A c h   s o o o o!!!

Nun, das sind die ersten Rentiere („wer weiß, ob wir überhaupt noch mal eins sehen“) unserer Reise – zwei von etwa 200 die noch folgen werden ;-).

Mit etwas mehr Entspannung aber großer Aufmerksamkeit fahren wir die heutige 413km lange Etappe bis Arvidsjaur und natürlich sehen wir immer wieder ruhige und gelassen die Straße entlangzottelnde Rentiere.

Ist es vorher auf der Straße 45 fast einsam gewesen, so wird es in Arvidsjaur wieder deutlich lebhafter.

Der angepeilte Campingplatz Camp Gielas ist absolut auf Eintagesgäste eingerichtet mit einer entsprechend großen, aber nicht so schönen Stellplatzfläche.

Überhaupt ist dieser Campingplatz im Grunde genommen absolut in Ordnung, doch fehlt ihm das Gemütliche, was einem zum längeren Verweilen anregen würde. Später erkennen wir, dass der Farbanstrich der Gemeinschaftsräume (Toiletten, Wickelraum, Kochstelle usw.) für uns ungewohnt ist. Anders als bisher in Schweden überwiegt ein  gedämpfterer Farbton, ich würde mal sagen dunkelbraungrün. Das ist offensichtlich der Farbton, indem in Lappland die Häuser gestrichen werden. 

Es ist an diesem Nachmittag sehr warm. Wir wollen weder am noch im Womo sitzen.

 Im Gebäude der Rezeption hatte ich während des Eincheckens einen Billardtisch gesehen. So beschließen wir, dort eine Runde zu spielen.

Aus der einen Runde werden zwei, weil ich relativ schnell im ersten Spiel die schwarze Kugel versenke. Trotz eines bravourösen Spiels von Thomas und Meike verlieren sie gegen Norbert und mich knapp im zweiten Durchgang.

         

Wir bekommen allmählich Zuschauer. Weil wir aber für unsere artistischen Einlagen am Billardtisch keinen Eintritt verlangen möchten gehen wir zum Womo zurück.

Wir lassen den Federball noch einige Runden durch die Luft fliegen, der bleibt aber dann doch die meiste Zeit im Netz des Schlägers hängen.

Meike probiert ihr neues Klötzchenspiel (Jenga Xtreme) aus. Noch viel interessanter gestaltet sich die Aktion, die Klötzchen wieder in die Kiste zu stapeln.

Am Abend öffnen wir eine 25 Jahre alte Weinflasche und gießen den dunkelgoldgelben Wein in die extra zu diesem Zweck angeschafften Plastikbecher. Schwenken – riechen – einen Schluck vorsichtig in den Mund fließen lassen ------- und ------- in hohem Bogen in das Waschbecken spucken!!!! Brrrr…. was war das? Alles, nur kein Wein!

    

Symbolisch steckten wir uns geliehenen Ringe an die Finger (die wirklich neuen Ringe waren nicht fertig geworden), aber der anschließende Kuss war echt!

Die Königsberger Klopse aus der Dose bilden den Abschluss unseres Silberhochzeittages.

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