3.8.2004         Strecke Bardu – Kabelväg (Lovoten): 281 km   unterwegs: incl. Fähre 6 Stunden 15 Minuten

Mit Spannung starten wir in die heutige Etappe: Heute Nachmittag wollen wir auf den Lofoten sein.

Solbakken lassen wir nur ungern hinter uns, hier hat es uns wirklich gut gefallen. Geduldig warten wir allerdings mit der Abfahrt, bis dass Meike sich ausgehüpft und das Abwasser den Tank verlassen hat. 

Die Fahrt verläuft auf der E6 wieder sehr abwechslungsreich.

     

Um 14 Uhr erreichen wir die Fähre Melbu / Fiskebol. Wir stehen ziemlich weit vorne in der Schlange; das ist offensichtlich ein Vorteil, sonst wäre uns das spannende Beladen der Fähre entgangen. Die Benutzer werden aufgefordert während der Überfahrt die Fahrzeuge zu verlassen, nur, das Deck ist definitiv zu klein, alle Passagiere aufzunehmen. Ein überdachtes Deck gibt es nicht, ist auch heute nicht notwendig. Wir ergattern einen einigermaßen guten Platz auf dem Sardinendeck und wollen den Ausblick auf die einzigartige Bergkette der Lofoten genießen. Doch zunächst werden wir von der aktionreiche Beladung der Fähre abgelenkt, die damit endet, dass das letzte Auto sich von seinem Anhänger trennen muss, der wird irgendwo quer abgestellt.

    

Auf dem Deck erfahre ich, wie weit die Anhänglichkeit von Italienern geht: Sie sind s e h r  kontaktfreudig. Leider landet so manches Foto der Lofotenberge heute noch im Papierkorb, so viele Fotos von italienischen Männerarmen, Hinterköpfen und Ohren will ich dann doch nicht sammeln.

Auf dem Weg zurück zu unserem Womo putzen wir etliche andere Auto blank; ziemlich viele Leute müssen vor der Weiterfahrt ihre Außenspiegel neu einstellen.

In Fiskebol treibt uns der Touristenverkehr zügig vorwärts; doch schon auf dem kurzen Stück bis Kabelväg geben die Lofotenberge mit ihren schneebedeckten Gipfeln ihr bestes uns willkommen zu heißen. Die Straße windet sich mal am türkisfarbenen Meer vorbei, mal durch Schluchten mit steil aufragenden Felswänden. Die Berge erinnern mich an Urlaube am Sandstrand: Mit möglichst „flüssigem“ Matschsand habe ich als Kind versucht solche Berge zu bauen – und es gibt sie wirklich!

Wir finden einen Campingplatz der sich der natürlichen Küstenlinie anschmiegt. Offensichtlich verbringen viele der Gäste ihren ganzen Sommerurlaub hier und es herrscht richtig viel Betrieb. Der Campingplatz Sandvikafjord hat eine Sondernote für seine Lage verdient, aber die sanitären Einrichtungen sind leider wieder extrem dürftig.

Bei einsetzender Ebbe sehen wir viele badende Kinder, einige Ruderboote legen am kleinen Bootssteg an und deren „Kapitäne“ bringen das Abendessen. Wir beobachten eine junge Familie mit einem kleinen Jungen, der gar nicht daran denkt bei diesem Sonnenschein schlafen zu gehen: Der Reißverschluss des Zeltes hat eine wirklich gute Qualität und „hallo, Mama“ klingt in der norwegischen Sprache genau so.

 

 

4.8.2004                      Strecke Kabelväg – Flakstad: 142 km   unterwegs: 6 Stunden 20 Minuten

Wir verlassen an diesem Morgen den Campingplatz schon um halb zehn und fahren die wenigen Kilometer hinüber zum Lofotenaquarium, das hat natürlich noch geschlossen! Wir genießen daher eine halbe Stunde lang die warme Morgensonne.

Für 220 NoK werden wir schließlich hineingelassen. Außer uns gibt es kaum weitere Besucher; so können wir uns in aller Ruhe die verschiedenen mit Fischen gefüllten „Töpfe“ ansehen. Riesige Seesterne, Krebse, Lachse, Aale und Dorsche bewegen sich mehr oder weniger lebhaft durch die Becken des Aquariums, hoffentlich in sicherer Entfernung zu jedem drei Sterne Koch!

In zwei kreisförmigen Käfigen werden im Fjordwasser Lachse aufgezogen und vor Fressfeinden geschützt. Ihr Sport scheint es zu sein so hoch zu springen, wie der Käfigrand es zulässt. Unser Sport ist es, sie dabei zu fotografieren.

In einem anderen Becken wohnt eine Robbenfamilie. Papa Robbe ist ausgesprochen talentiert unter Wasser Luftblasen abzuschießen; Mama Robbe kümmert sich liebevoll um ihr Jüngstes, dass schon zügig auf den Babyfelsen robben kann. Sein älteres Geschwisterkind sonnt sich mit Tante Auguste auf dem Sonnenfelsen und Onkel Paul schnuppert gelegentlich an der Schwanzflosse des Jüngsten. Mama Robbe hält nichts von dieser Zuneigung und schickt Onkel Paul auf Tauchstation.

         

Wir folgen den Reiseberichten und wollen Honnigsväeg einen Besuch abstatten.

Die teilweise atemberaubende Schönheit der Lofoten hat sich unter den europäischen Touristen herumgesprochen: Wir werden überrascht von dem für diese Straßenverhältnisse dichten Verkehr. Statt in aller Ruhe die einzigartige Natur bestaunen zu können, (bei angemessener) Fahrweise, sind es die Touristenströme, die uns über die Straße treiben – oder sind es die Einheimischen, die entnervt auf die „Tube“ drücken, weil sie zügig von A nach B wollen? Wir wissen es nicht. Norbert gibt seine behutsame Fahrweise auf diesen engen und kurvenreichen Straßen nicht auf; trotzdem kann er nicht verhindern, dass ein norwegischer Kleinbus unseren Außenspiegel küsst. Es knallt – doch glücklicherweise ist die Qualität der Federung 1a – nichts passiert.

Über enge Straßen und Brücken gelangen wir nach Honnigsväeg und durch noch engere Straßen erreichen wir den kleinen Hafen, der selbst bei Ebbe wunderbare Fotos zulässt.

             

Mehr Sehenswertes als diesen Hafen finden wir allerdings in Honnigsväeg nicht, vielleicht sind wir auch nur durch die vorherige Anfahrt zu sehr gestresst den Ort wirklich genießen zu können.

Noch einmal müssen wir diese enge Straße passieren, dann sind wir wieder auf der besser ausgebauten E 10 und fahren in südlicher Richtung weiter. Wir wollen unbedingt einen Abstecher zur Westseite der Lofoten machen und biegen, trotz der negativen Erfahrung wieder von der E 10 ab. Glücklicherweise scheint diesmal unser Ziel für die anderen Touristen nicht so interessant zu sein, so ist die Straße nur wenig befahren und wir entspannen uns wieder auf der Suche nach Eggum.

Eggum finden wir auch, und der Ort endet an einem Wendekreis mit Zaun und Spardose. Wir werfen 10 NoK hinein, öffnen ein Gatter und fahren ein kurzes Stück unbefestigten Weges bis an eine Ruine aus dem zweiten Weltkrieg.

Nur wenige Touristen scheinen sich hierher zu verirren und die Ruhe holt uns wieder ein. Mit Meike versuche ich über die riesigen Felsbrocken, die am Ufer liegen das Wasser der Nordsee zu erreichen. Wir schaffen es nicht ganz, aber mir brennen ordentlich die Fußsohlen. Norbert versucht sich als Ornithologe, doch die Aufnahmen der Möwenschwärme zeigen diese nur nach deren Abflug. Während ich mir im Womo Kaffee gönne erkunden die drei die Festung; aus den dabei entstandenen Filmaufnahmen zu schließen hatten sie bei der teilweise riskanten Kletterei viel Spaß. 

             

Nur zögernd verlassen wir diesen wunderbar ruhigen Ort, erreichen zügig wieder die E 10, die im folgenden Abschnitt nur teilweise breit ausgebaut ist.

Wieder kommt uns ein rasender Norweger entgegengeflogen, der offensichtlich nicht damit gerechnet hat, dass es auch noch andere Autofahrer gibt. Und wieder müssen wir feststellen, dass nur Norberts ruhige Fahrweise Schlimmeres verhindert hat. 

Durch den Nappstraumentunnel erreichen wir die Lofoteninsel Flakstadsoya. Die E 10 ist jetzt eigentlich immer sehr eng und passt sich dem Kurvenverlauf der Küstenlinie an.

Wir halten nach einem Campingplatz Ausschau und landen auf dem Ramberg Gjestgard bei Flakstad. Der Platz hat – wie sollte es auch auf den Lofoten anders sein – eine wunderbare Lage am Meer. Doch das besondere ist sein unglaublich schöner Sandstrand. Zusammen mit dem wieder strahlend blauem Himmel und dem Meer glauben wir in der Karibik zu sein: so einen weißen Sand habe ich noch nie gesehen.

Aber auch das passt wieder zusammen: Die sanitären Anlagen sind extrem dürftig: Männlein und Weiblein teilen sich zwei WCs.

Was soll`s: Wir nehmen einen Stellplatz direkt am Strand und genießen das Südseegefühl.

            

Thomas nutzt die Gelegenheit und „badet“.

Über dem Meer zieht unmerklich ein Dunstschleier heran, dem wir zunächst keine Beachtung schenken. Wir genießen den sonnenreichen Nachmittag und beobachten, wie zahlreiche Italiener „ihr sole mio“ von Wohnmobil zu Wohnmobil weiterreichen.

Gegen 18 Uhr zieht der Nebelstreifen in die kleine Traumbucht und es wird richtig kalt. Er hält sich bis 22 Uhr und gibt dann wieder den Blick auf die Berge frei, die in der untergehenden Sonne in allen nur denkbaren Rottönen leuchten.

Wir unternehmen noch einen ausgiebigen Spaziergang am Strand. Es ist unmöglich barfuß durch den Sand zu laufen so kalt ist der Sand in den vergangenen Stunden geworden.

Thomas und Meike sammeln unendlich viele Muscheln aller Größen und Formen, die wir am nächsten Morgen dem Meer zur Verwertung zurück geben. (Den feinkörnigen Sand nehmen wir allerdings in ausreichender Menge, gut aufgehoben in diversen Socken und Handtüchern mit.) Die Seeigel, die die beiden finden machen einen sehr toten Eindruck und müssen ihre Innereien hungrigen Möwen zur Verfügung gestellt haben.

Wir beobachten Möweneltern beim Füttern ihrer aufdringlichen Jungtiere (wie menschenähnlich;-)) und einen aufgeregten Strandläufer, der reichlich Beute im kalten Sand findet.

Ein Gletscherbach bahnt sich seinen Weg über den Strand in das Wasser der Nordsee und überzieht den Sand mit einem glänzenden Schleier in dem sich die roten Berge spiegeln.

            

Mit mehr Toiletten ausgestattet wäre dieser Campingplatz eine Granate.

 

 

5.8.2004                     Strecke Flakstad – A – Kabelväg: 174 km   unterwegs: 8 Stunden 15 Minuten

Unsere heutige Tour wird uns bis an den südlichsten, mit dem Auto erreichbaren Punkt der Lofoten bringen, nämlich dem kleinen Ort A (mit Kringel oben drauf), auf Moskenesoya.

Die Straße ist wieder extrem eng, führt über schmale Brücken und kleinere Tunnel zunächst nach Reine. Hier soll es eigentlich einen leicht zu ersteigenden Berg geben, von dem man eine wunderbare Aussicht über den Ort und die Küstenlinie hat. Wir finden auch ein Kiosk (dahinter soll es hinauf gehen), doch hinter dem Kiosk geht’s hinunter ins Wasser. Den Reineberg finden wir nicht, also fahren wir weiter nach A. Hinter einer Tunnelausfahrt  treffen wir unweigerlich auf die erste Sehenswürdigkeit von A: ein überdimensionaler Parkplatz mit einem Touristenbüro. Hier hat man sich auf Touristenströme eingerichtet, allein die Straßen, auf denen sie kommen sollen fehlen (vielleicht zum Glück!)

                                                      

A ist unserer Erkundung nach ein reines Museum: Die meisten wirklich interessanten Gebäude gehören zu einer Art Freilichtmuseum und können nur mit (Smily) Aufklebern betreten werden; dazu gesellen sich Rorbuers, die man als Feriendomizil mieten kann.

Wir versorgen uns im Touristenbüro – zugleich selbstverständlich ein Souvenirladen – mit Ansichtskarten und Aufklebern, wofür wir inzwischen eine richtige Sammelleidenschaft entwickelt haben, und machen uns dann wieder auf den Rückweg Richtung Kabelväg.

Übrigens: Zu Hause entdecken wir auf einer Postkarte den beschriebenen Aussichtsberg: Er ist in A und nicht in Reine!

Wir schaffen es ohne ein Schaf zu behindern einigermaßen zügig bis zu einem größeren Einkaufszentrum kurz vor Kabelväg. Hier füllen wir unseren Vorrat an Brot, Brötchen (sehr lecker), Milch, Margarine und Gehacktes auf. Wir gönnen uns sogar ein Eis, das komplett auf Thomas` T-Shirt landet. (Schon wieder!)

So allmählich wird es immer wolkiger, ein Wetterumschwung scheint sich anzukündigen. Wie schön, dass wir bisher alle Sehenswürdigkeiten bei strahlendem Sonnenschein genießen durften.

Es ist noch relativ früh am Nachmittag, so fahren wir durch bis Svolvaer, um uns nach den Möglichkeiten einer Rundfahrt auf dem Trollfjord zu erkundigen.

In Svolvaer treffen wir wieder auf eine völlig chaotische Verkehrssituation: Baustellen, enge Straßen, keine Parkplätze und nervöse Norweger.

Wir können zwar die Entfernung zum Hafen nicht abschätzen, parken dennoch einfach auf dem REMA Kundenparkplatz.

Der Weg zum Hafen ist schließlich kürzer als gedacht.

Wir sehen einige Papptafeln mit Aufschriften zu Sightseeingtouren zum Trollfjord, teilweise mit Angelmöglichkeiten. Ein Junge in Thomas` Alter setzt all seine Überzeugungskunst daran uns in ein Raftingboot zu locken. Mit der Bemerkung, dass dies auch für die Kinder interessant sein würde, verspielt er sich alle Sympathien bei Thomas.

An einem der Schilder lehnt ein dickbäuchiger „Seemann“. Wie ein Pirat verfrachtet er uns in Null Komma Nichts in seine schaukelnde Nussschale und schippert uns mit sechs anderen Passagieren über den Raftsundet zum Trollfjord.

Die Tour war zwar erst für morgen geplant, aber welche realistischen Möglichkeiten haben wir?

Angesichts der aufziehenden Wolken sind wir mit der Entscheidung schon heute die Bootstour zu machen im Reinen: Nur haben wir ziemlich Hunger (aber nichts zum Essen dabei) und viele leere Akkus. Doch es reicht für einige schöne Aufnahmen und unser Seebär beherrscht sein Boot wirklich gut: Er lässt es die steil aufragenden Bergwände im Trollfjord küssen, lenkt uns sicher durch und über die Klippen und gönnt uns den Anblick eines in den engen Fjord einfahrenden Hurtigroutenschiffes.

            

Die Fahrt macht uns auf dem Rückweg richtig müde und es fehlt nicht viel, dass uns die Augen zufallen könnten.

Die Lofotenberge vom Schiff aus zu sehen, können wir nun extrem genießen und wir genießen auch die Ruhe, die von dem vor sich hin tuckernden Boot ausgeht.

Im Hafen angekommen merken wir uns die Zufahrtswege zum Fähranleger nach Skutvik.

Wir übernachten noch einmal auf dem Campingplatz in Kabelväg: Heute ist von den eindrucksvollen Bergen nicht viel zu sehen, sie werden von dichten Wolken umhüllt.

Bevor wir schlafen gehen wird Norbert noch Opfer einer Wasserspritzpistolenattacke einer etwa 8jährigen Untergrundkämpferin.

Lyngenfjord                                                                                                                         Startseite Svartisen