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1.8.2004 Strecke
Alta – Ramfjord: 282 km unterwegs:
incl. 2 Fähren 9 Stunden Zwei wichtige Programmpunkte sollten heute
abgearbeitet werden: Unseren kulturellen Horizont erweitern und bei MC Donald
(oder ähnlichem) essen gehen. Vorbereitet haben wir diese beiden Ereignisse mit
einem ausgiebigen Frühstück. Alta durchqueren wir all zu schnell mit der
Erkenntnis: Hier gibt es in keinem Fall eine Imbissmöglichkeit und schon gar
kein MC Donald. Die Stimmung von Thomas und Meike stürzt ungebremst in den
Keller – kein Big Mäc! Glücklicherweise wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch
nicht, dass es offensichtlich auf unserer gesamten Norwegenstrecke keinen MC
Donald geben wird – welche unglaubliche Vorstellung! (Wir wollen an dieser
Stelle keinesfalls den Eindruck erwecken, wir seien Fast Food Fanatiker, aber im
Urlaub gehören Big Mäcs und Chicken Nuggets besonders für den jüngeren Teil
der Familie irgendwie dazu. Abgesehen davon erspare ich mir gerne mal das
Kochen.) Etwas Kultur kann trotzdem nicht schaden und sämtliche
Reiseführer verpflichteten uns zum Besuch des Alta Museums. Hier sollten uns
6000 Jahre alte Felsenzeichnungen erwarten, die zum Weltkulturerbe der UNESCO
erhoben wurden. Mit Smilyaufklebern
gekennzeichnet weisen wir uns als „haben den Eintritt bezahlt“ im für
jedermann grundsätzlich frei zugänglichem Museumsgelände aus. Zunächst
glauben wir an einen Scherz: Wir stehen vor einer Wiese auf der 4 weiße Pflöcke
im Rechteck in den Boden gesteckt wurden. Diese 4 Pflöcke begrenzen, so die
Beschreibung auf einer Hinweistafel, die Grundmauern einer steinzeitlichen
Behausung. Jaou – sicher! 10 Minuten auf einem hübschen irgendwie
Parkwanderweg später treffen wir tatsächlich auf gut erhaltene
Felsenzeichnungen, deren Bedeutungen uns nicht so ganz klar werden, gut, wir könnten
ja das entsprechende Prospekt lesen ;-). Richtig bewegt werden wir allerdings von der
Ausstellung im eigentlichen Museumsgebäude, die sich mit der Besatzungszeit
deutscher Soldaten im zweiten Weltkrieg befasst: Nie haben wir die Unsinnigkeit
eines Krieges näher gespürt als in dieser Dokumentation: Sich vorzustellen wie
viele Schulen in dieser bevölkerungsarmen Region abgebrannt, wie tausende Häuser
und auch viele Krankenhäuser nur aus Wut und Frustration von den deutschen
Soldaten zerstört wurden, konfrontiert uns knallhart mit der Vergangenheit
unserer Großväter. Darüber hinaus sind auch die lokalen
Ausstellungsstücke sehr interessant und die Informationen zum Forschungsstand
über die Entstehung des Polarlichtes stillen unseren Wissensdurst. Alles in allem ist das Museum unserer Meinung nach
einen Besuch wert. Von Alta aus westwärts führt die E6 durch eine
traumhafte Fjordlandschaft: Wir haben unglaubliches Glück mit dem Wetter; der
Sonnenschein am strahlend blauen Himmel sorgt für beste Rahmenbedingungen die
Kamera und den Fotoapparat im Dauerbetrieb laufen zu lassen. Hinter jeder Straßenkurve präsentieren sich der
Altafjord, der Langfjorden, der Sörstraumen und schließlich der Reisafjorden
schöner als zuvor, als stünden sie in einem Wettbewerb zueinander. Dazu liegt
an vielen geschützten Stellen auf den Gipfeln Schnee. Die Lyngenalpen schließlich werden ihrer
Empfehlung in den Reiseberichten mehr als gerecht. Wir freuen uns auf den
angepeilten Campingplatz in Olderdalen am Lyngenfjord, denn wir wollen diesen
grandiosen Anblick noch länger genießen. Nur – den Campingplatz haben
wir nicht gefunden, so stehen wir um 15:00 Uhr am Fähranleger in Olderdalen und
müssen neu planen. Unsere Konzentration wird für einen Moment
abgelenkt, als ein Patient von einem Rettungshubschrauber abgeholt wird. Die
fehlende Infrastruktur macht in dieser abgelegenen Region solche Transporte
notwendig obwohl wir nur rund 60km von Tromsö entfernt sind. Wir beschließen mit der nächsten Fähre über den
Lyngenfjord überzusetzen und dann dort den einzigen Campingplatz anzufahren,
der auf unserer Karte eingezeichnet ist. Am Fähranleger beobachteten wir
Kinder, die das wunderbare Wetter zum Baden nutzen. Frischgekühlt springen sie
immer wieder ins Wasser – nicht für 10 Big Macs (da sind sie schon wieder) würden
Thomas und Meike hinterher springen. Die norwegischen Kinder müssen wirklich
andere Wärmerezeptoren in der Haut haben. In Lyngseidet finden wir den auch auf einem
entsprechenden Hinweisschild ausgewiesenen Campingplatz nicht; wir landen immer
wieder an einem Hotel mit Hinterhof. So fahren wir kurzerhand auf der RV 91 zur
nächsten Fähre: Svensby / Breivikeid. Am Fähranleger treffen wir nahezu alle
PKWs und Womos der vorherigen Fähre wieder und sind mit ihnen in null Komma nix
auf der anderen Seite des Ullsfjord, rund 25 km vor Tromsö. Auf unseren Karten sind keine
Campingplätze in der Umgebung Tromsös eingezeichnet, so beschließen wir, südlich
zu fahren und finden dort recht bald einen liebevoll angelegten Campingplatz am
Ramfjord. Der ältere Besitzer erwartet uns bereits auf einem praktisch
angebauten Balkon seines Hauses: Von dort aus bewacht er seinen Campingplatz wie
ein alter Sheriff. Wohlmöglich entgeht ihm nicht,
dass Norbert beim schwungvollen Einparken an die für jeden Stellplatz
vorgesehenen Terrasse die erste Bretterreihe kaminreif zerlegt – doch er
wollte diese scheinbar sowieso im nächsten Frühjahr erneuern. In den kompletten Abendstunden sehen wir Thomas nur
zum Essen, die übrige Zeit verbringt er damit eine Staumauer ins Watt zu bauen.
Meike schießt einige tolle Fotos und dabei gelingt es ihr die unwahrscheinliche
Farbenvielfalt des Nordens einzufangen. Beide versuchen sich als Meeresbiologen,
indem sie angetriebenes Getier der Nordsee im Watt des Ramfjordes
klassifizieren.
2.8.2004
Strecke Ramfjord – Bardu: 213 km
unterwegs: 6 Stunden 20 Minuten
Wir schlafen nach der unfreiwillig verlängerten
Etappe des Vortages richtig tief und fest und beginnen den neuen Tag in aller
Ruhe mit einem ausgedehnten Frühstück. Weil wir die Fähren ja schon gestern
hinter uns gebracht haben, können wir uns mehr Zeit in Tromsö gönnen. Wir brechen um kurz nach zehn auf und steuern das „Tor zum Eismeer“ an. Im Internet fanden wir vor dem Urlaub Hinweise zu
einem Tunnelsystem unter Tromsö; na ja, vielleicht habe ich da auch was falsch
verstanden! Die E8 transportiert uns ohne Mühe zur Eismeerkathedrale, die ihrem
Ruf als sehenswert voll gerecht wird. Uns beeindruckt neben der außergewöhnlichen
Bauweise die Schlichtheit dieser Kirche, die „nur“ noch mit einem
wunderbaren gestaltetem Glasfenster imponiert. Von der Eismeerkathedrale aus kann man den Ausblick
über den Sund zum westlichen gelegenem Zentrum der Stadt Tromsö genießen. Der
Verkehr über die Brücke ist ziemlich dicht und für uns inzwischen ungewohnt.
Wie schnell wir uns doch an die leeren Straßen gewöhnt haben. Wir überqueren die Tromsöbrua und stürzen uns in
den noch dichteren Verkehr der Innenstadt. Wo ist der Tunnel? Stattdessen Ampeln, Umleitungsschilder,
unbeschilderte Kreuzungen, Chaos auf der ganzen Linie, jeder fährt wie er will,
auch bei Rot. Entnervt nehmen wir den ersten, überraschend
freien Parkplatz, den wir sehen. Doch nicht so überraschend diese
Parkplatzleere: Wir bezahlen für jede angebrochene Stunde 18 NOK (etwa 2 €). Mit Kamera und Fotoapparat bewaffnet erkunden wir
die Innenstadt. Uns gefallen die alten Gebäude und Tromsö wirkt auf uns hell
und freundlich. Jedoch wundern wir uns über die Hektik, die auf den Straßen
und unter den Fußgängern herrscht. An den Zebrastreifen ist Mut und Überlebenswillen
gefragt. Andere mögen dieses Treiben als übersprießende Lebensfreude
bezeichnen, wir empfinden das Gewimmele als unangenehm. Irgendwie finden wir auch das Polarmuseum, das mehr
als stilecht in einem denkmalgeschützten Gebäude untergebracht ist. Für einen durchaus annehmbaren Eintrittspreis
erfahren wir viel über den Polarforscher Amundsen, sagen, wir besser, wir hätten
viel erfahren können bei besseren Englischkenntnissen und der nötigen Ausdauer
alle umfangreichen Erklärtafeln zu lesen. Doch für eine grundlegende
Wissenserweiterung reicht der Besuch. Ansprechend finden wir die nachgebauten
Forscherhütten, die man betreten darf und besonders das Walrossskelett. Unser
Urteil: Wirklich sehenswert. Für uns ist es ungewohnt in Skandinavien eine so
umfangreiche Ansammlung an Gastronomie auf so engem Raum zu finden. Der Versuchung uns in einer Pizzeria satt zu essen
widerstehen wir. Stattdessen erstürmen wir aus verschiedenen Gründen ein
letztes Mal einen Burger King. Wir brauchen 30 Minuten um wieder die Tromsöbrua
zu erreichen, kennen jetzt aber noch viel mehr von Tromsö, sogar die Seitenstraßen!
Am Stadtrand erobern wir ein riesiges
Einkaufscenter. Wir nutzen die Gelegenheit und decken uns gründlich mit
frischen Lebensmittel ein. Das Einkaufen macht zwar Spaß doch auch hier sind
die Menschen ähnlich hektisch wie in Deutschland, völlig untypisch für das,
was wir bisher von Skandinavien kannten. Um 13:00Uhr verlassen wir Tromsö und fahren nun
wieder auf der E6 bis Bardu. Wir finden einen wunderschönen, etwas abseits
gelegenen Campingplatz, der auf unserer Favoritenliste sofort einen vorderen
Platz einnimmt. Den Namen Solbakken Camping (Camping am Sonnenberg) hat sich
dieses Fleckchen am heutigen Tag ohne jeden Zweifel verdient. Meike und Thomas toben sich am in Norwegen
offensichtlich üblichen Trampolin gründlich aus und schließlich springt auch
Thomas schwindelerregende 30cm hoch ohne auf seiner Sitzfläche zu landen. Wir schauen bei Cappuccino zunächst
dem herabstürzenden Gletscherbach und später einem älteren Ehepaar aus
Sachsen zu: Lockenwickler, Bademantel und Adiletten, aber Hauptsache gesund!
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