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30.7.2004
Strecke
Lakselv – Nordkap: 180 km unterwegs:
4 Stunden 25 Minuten
Wir sind nur noch rund 180 km von unserem großen
Ziel entfernt, als wir um 9:20Uhr wieder das Womo rollen lassen. Die Fahrt beginnt umwerfend: Das Wasser des
Porsangerfjords erstrahlt, vom Sonnenschein wie verzaubert in einem satten Blau;
tausend Glitzersterne tanzen auf der an sich ruhigen Wasseroberfläche.
Ansprechen lassen sie sich nicht gerne; in einem
solchen Fall räumen sie die Straße. Ihrer Lauftechnik mit den weit
schwingenden großen Hufen, dabei das Geweih stolz balancierend hätten wir
gerne länger zugesehen. Wir haben Verständnis dafür, dass sie es lieben,
am Straßenrand in der Sonne zu liegen. Glücklicherweise begegnet uns keines dieser
stolzen Tiere in den zahlreichen Tunnels. Noch einmal verändert sich die Landschaft gründlich:
Nun verschwinden auch die Birken, nachdem sie bis auf Kopfhöhe
zusammengeschrumpelt waren. Stattdessen überwiegt Schiefergestein mit niedrigem
Buschwerk, doch auch das verschwindet bald und übrig bleiben ein wenig Gras und
Flechten.
Die Durchfahrt der oben erwähnten
Tunnel erleben wir mit ungutem Gefühl im Bauch: Zum einen sind wir das
„Tunneln“ einfach nicht gewohnt, zum anderen ist die extrem schlechte
Beleuchtung nicht sonderlich angenehm: Da wir das Glück haben bei strahlendem
Sonnenschein unterwegs zu sein ist die plötzliche Dunkelheit ein echtes
Problem. Zudem sind die Straßen teilweise sehr eng und wir sind froh, dass uns
kaum Fahrzeuge im Dunkeln begegnen. Der kürzeste dieser Tunnel ist 700m lang, der längste
mit dem Auto unter dem Wasser befahrbare Tunnel der Welt misst schließlich fast
7 km. Dieser Tunnel ist dann auch der einzige, an dem man Maut bezahlen muss und
führt uns auf die Nordkapinsel
Mageroya. Bevor wir zum Nordkap weiterfahren (noch 35 km)
biegen wir nach Honnigsväg, dem größten Ort auf Mageroya ab. Dort besichtigen
wir den Hafen in dem gerade das Hurtigroutenschiff Finmark beladen wird.
Honnigsväg erscheint uns sehr lebhaft, auf den Straßen, vielmehr der einzigen
Hauptstraße, chaotisch. Der
gesamte Ort ist allerdings kleiner als Elsdorf.
Unmittelbar vor dem Nordkapplateau werden wir von
einem freundlichen jungen Mann noch einmal zur Kasse gebeten: Schließlich
wissen auch die Norweger, wie man Geld verdienen kann! Das Nordkapplateau entpuppt sich zunächst als großräumiger
Parkplatz. Das ist allerdings das einzige, was wir negativ daran finden können:
Die Norweger haben sich Mühe
gegeben, diesen nördlichsten mit dem Auto erreichbare Punkt Europas
auszugestalten. Man mag in Richtung Souvenirläden, Postamt, Restaurant und
Sektbar denken wie man will; als Nordkaptourist stellt man sich auf diese Dinge
ein wie an jedem anderen sehenswerten Fleck der Erde auch. Der unvergleichbare Anblick der scheinbar auf dem
Polarmeer tanzenden Sonne zwischen 0:00 Uhr und 1:00 Uhr in der Nacht und das ständig
wechselnde Farbenspiel auf dem Nordkapfelsen, zu wissen, hier geht es so nicht
weiter und in 2000 km Entfernung ist der Nordpol – das sind unvergessliche
Dinge. Da nimmt man das babylonisch anmutende Sprachgewirr und die Flut an
Touristenströmen in Kauf, schließlich sind wir ein Teil davon. |