|
6.8.2004
Strecke Kabelväg (Lofoten) – Fauske: 188
km unterwegs: incl. Fähre 6
Stunden 15 Minuten
Thomas versorgt uns an unserem letzten Morgen auf
den Lofoten noch einmal mit den leckeren Brötchen aus der Rezeption des
Campingplatzes. Mit aller Ruhe entleeren Norbert und Thomas den
Abwassertank, die ungünstige Position Schlauch : Womo : Abwasserbecken lassen
die Aktion laaaaaange andauern. Wir erreichen (trotzdem) den Fähranlegeplatz in Svolvaer so frühzeitig, dass wir gute Chancen haben mitgenommen zu werden. Es beginnt leicht zu regnen und die schönen
Lofotenwand verschwimmt zu einem einzigen Grau. Grau wird auch Norbert im
Gesicht, als die Kontrolleurin der Fähre Svolvaer / Skutvik resolut 351
Nok für`s Womo , Länge: Five and
a half, two persons, no, four: two barns! von ihm verlangt. So schnell habe ich
ihn noch nie das Portemonai ziehen und zahlen sehen. Ist doch ganz nett die Dame
(bestimmt die Tochter vom Sheriff in Ramfjord?!). Ich verstehe nicht, warum er
so nervös den Ablauf Kugelschreiber benutzen, Schreibbrett zurückgeben,
zahlen, Wechselgeld annehmen und Tickets einstecken durcheinanderbringt. Die Überfahrt nach Skutvik
dauert gut 2 Stunden. Um die Berge der Lofoten hat sich ein dichter
Wolkenschleier gelegt. Wir stehen auf dem Deck, als sich die Fähre in Bewegung
setzt. Sie wird von einem kleinen blauen Sightseeingboot gekreuzt, das ganz wie
unser Ausflugboot tags zuvor aussieht. Es beginnt zu regnen – der erste
richtige Regen auf unserer Tour. Während der Überfahrt ist es uns ziemlich
langweilig, trotz der unterhaltsamen Show eines wenig wendigen Vaters, der
vergeblich seiner flinken, etwa zweijährigen Tochter hinterher jagt und sie
niemals einfängt. Bis Fauske sind es etwas mehr als 150 km und wir
sind froh in diesem Regen nicht so weit fahren zu müssen. Landschaftlich werden
unsere Augen dennoch wieder verwöhnt: Umgeben von hohen, teilweise mit Schnee
bedeckten Bergen und wieder offen durch die Fjorde schlängelt sich die Straße
mit vielen Tunnel dahin. Wir nutzen eine kurze Regenpause für eine Rast in der
scheinbar unberührten Wildnis, und das, obwohl wir schon längst wieder die E6
erreicht haben. Bei der Abfahrt von diesem leicht abschüssigen Parkplatz hatte
Norbert etwas Schwierigkeiten – die Räder drehen durch und so schaukelt er
das Womo mehr oder weniger wieder auf die Straße zurück, auch `ne Methode! Der anvisierte Campingplatz Lundhogda in Fauske ist
zwar schön gelegen, ist aber ein einziger Hang mit wenigen ebenen Stellplätzen.
Wir ergattern den letzten „waagerechten“ Platz und beobachten Franzosen,
Norweger und vor allen Dingen ein holländisches Ehepaar mit zwei jugendlichen
Kindern. Die ganze Familie ist ein einziges XXL Format im xs Wohnwagen, sehr
aktiv trotz Regen (ganz im Gegensatz zu uns) und schließlich soll Super Sumo
Holland Vater für die im Laufe des Abends losgelöste Toilettenschüssel
verantwortlich sein. Nach uns kommen keine weiteren Gäste mehr auf den
schrägen Platz. 7.8.2004
Strecke Fauske
– Storforshei: 267 km unterwegs:
6 Stunden 15 Minuten Wir werden an diesem Morgen nicht gerade von
allerbestem Wetter begrüßt; zudem schmerzt mir noch immer die Ferse, die ich
mir irgendwie auf der Fähre verprellt hatte. Sie führt ein völlig eigenständiges
Leben, zumindest pulsiert es in ihr gehörig. Abwasser entleeren und Frischwasser tanken geht auf diesem Campingplatz sehr bequem, also nutzen wir die Gelegenheit bevor wir zum Saltstraumen, dem größten Mahlstrom der Welt aufbrechen. Die Fahrt in Richtung Bodo führt entlang des
Skjerstadfsjorden, schade, dass es so diesig ist, sonst sähe das landschaftlich
hier wieder sicherlich toll aus. So verstecken sich die Berge leider hinter
einem dichten Grauschleier. Wir parken unter der Brücke, die über die
„Grenze“ des Skjerstadsfjorden und des Saltfjorden geht und suchen nach
einem Wanderweg, der uns hinunter ans Wasser des Saltstraumen führen könnte.
Die Hinweistafeln helfen uns nicht weiter, das meiste der Erläuterungen ist der
Verwitterung zum Opfer gefallen. Auch das angrenzende Informationszentrum
informiert eher die am Angeln interessierten Touristen; also – Ferse hin oder
her – wandern wir einfach so auf
einem ausgetretenen Pfad entlang. Nach wenigen Minuten werden wir von einem
englischen Ehepaar eingeholt, die munter Norbert nach dem Weg fragen. Norbert setzt sein
intelligentes Gesicht auf und antwortet in flüssigem Englisch, dass er die Dame
nicht verstanden habe da er aus Deutschland käme. Die Angesprochene versteht,
das Norbert nicht aus England kommt und auch noch nie hier war!.... Nach zehn Minuten merken wir, dass wir dem
Fjordufer keinen Meter näherkommen, gehen zurück und genießen dafür den
Ausblick von der Brücke. Rheinverwöhnt ist der Anblick des Saltstraumen
nicht unbedingt sensationell, doch darf man nicht übersehen, dass die enorme
Strömungen einzig durch Ebbe und Flut hervorgerufen werden. Die Kraft der Strömung kann man an den vielen
Strudeln nur erahnen, vom Fischreichtum sieht man auf der Brücke natürlich
nichts. Inzwischen hat es aufgehört zu regnen. Die nächsten Kilometer beschleicht uns Gefühl,
auf der Rückfahrt zu sein. Doch der Blick in die Routenplanung verrät, dass
uns noch einige interessante Etappenziele erwarten. Über Fauske gelangen wir
wieder auf die E6. Inzwischen regnet es nicht mehr, und die vorher tiefhängenden
Wolken geben den Blick frei auf eine wieder erneut traumhaft schöne Landschaft.
Wir nähern uns dem Saltfjell – Svartisen – Nationalpark. Vom Saltstraumen
aus soll eigentlich eine der schönsten Küstenstraßen Norwegens, die RV 17
Richtung Süden führen, doch wir bleiben auf
der E6 und werden mit dem Anblick des wunderschönen Fjells belohnt. Die
schneebedeckten Bergkuppen (oder sind es Gletscher?), die sprudelnden Bäche,
die karge Landschaft – all das passt in die durch das Internet geweckten
Erwartungen an Norwegen, nein sie werden übertroffen. Nicht auszudenken, wie es
hier bei Sonnenschein aussieht! Wir erreichten ziemlich zügig
die Polarkreisstation und sind völlig überrascht, über das rege
Touristeninteresse; so viele Reisende in Bussen und sonstigen Fahrzeugen sind
uns auf der Strecke hierher gar nicht aufgefallen. Wir strömen mit ihnen durch den Souvenirladen,
geben uns aber mit Kugelschreiber, Postkarten und Aufklebern zufrieden. Mit noch
ein paar Erinnerungsfotos vom Polarkreis auf norwegischer Seite im Gepäck, der
landschaftlich genau das erfüllt, was ich mir unter einem solchen Landstrich
vorstelle machen wir uns wieder auf den Weg. Wenige Minuten später finden wir einen Parkplatz,
der ziemlich dicht an einem Schneefeld liegt, und Schnee ist, wie man weiß, für
Kölner etwas besonderes. Durch niedriges Gestrüpp das von Billionen kleiner (Stech)fliegen
bewacht wird nähern wir uns diesem Naturschauspiel und Meike und Thomas testen
mitten im Sommer auf Schlappen den Schnee. Der Aufenthalt gestaltet sich wegen der Anhänglichkeit
der Stechfliegen, die uns bis in den Schnee gefolgt sind, nur sehr kurz. Bei der nächst passenden Gelegenheit füllen wir
unsere Lebensmittelvorräte auf, inklusive einiger norwegischer Fruchtzwerge. Hinter Storforshei halten wir Ausschau nach einem
Campingplatz. Aufgrund der unangenehmen Erfahrung am Lyngenfjord nehmen wir den
ersten, den wir sehen und landen auf dem ziemlich leeren Platz des Storu Camp. Ein Schild am Zwergenkiosk gibt uns Auskunft darüber,
wo wir den Campingplatzbesitzer antreffen können. Wir brauchen ihn schließlich
nicht zu suchen, er findet uns, weist uns einen Platz zu und verschwindet
wieder. Wir erkunden die nähere Umgebung und inspizieren
die Toiletten und Duschen. Die sind der Hammer: Vor 40 Jahren sahen die in
Bielstein genau so aus, ich fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt. Ob
das jetzt positive Kindheitserlebnisse sind? Na ja, jedenfalls sind an allen
Toiletten Spalten zwischen Tür und Rahmen somit zur Einsicht bereit, nur eine Tür
lässt sich verschließen, eine Dusche finden wir nicht und gewaschen wird sich
an einem Gemeinschaftstrog. Man kann das Romantik
nennen, wir nennen es ......... Wenig später trifft ein roter VW Campingbus aus
Recklinghausen mit einem älteren Ehepaar an Bord ein. Wir nennen sie „die
Thieles“. Noch einmal eine Stunde später beobachten wir, wie
sich der Campingplatzbesitzer liebevoll um ein Ehepaar kümmert, die nicht so
recht wissen wo sie ihr zehn Meter langes Hightec Wohnmobil abstellen sollen.
Schließlich fahren sie wieder, der Satellitenempfang ist zu schlecht. Wir beobachten noch eine Weile das rege Treiben der
„Thieles“ und gehen recht früh schlafen. 8.8.2005
Strecke
Storforshei – Mo I Rana: 97 km
unterwegs: 7Stunden 40 Minuten Schon um 9:50 Uhr verlassen wir den historischen
Campingplatz. Wir suchen auf der kurzen Strecke Richtung Mo i Rana vergeblich
nach einem Hinweisschild zum Svartisen Gletscher, finden keins, wenden in Mo i
Rana und schon sind Schilder da. Wir biegen ab und nehmen die schmale
kurvenreiche Straße unter die Räder. Fast schon wie erwartet kommt uns tatsächlich
wieder ein Norweger entgegengeflogen, dass es ihm heute noch gut geht hat er,
wie andere Chaotenpiloten zuvor,
Norbert zu verdanken. Im Rückspiegel können wir beobachten, dass er einige
Schleuderspuren hinterlässt, bevor sich sein Fahrzeug wieder stabilisiert. In
unserer Richtung sind wir alleine unterwegs, so haben
unsere 40km/h statt der erlaubten 90km/h sicherlich nicht nur seinen PKW
gerettet. Für die nächsten Minuten hat unser Adrenalinspiegel Höchststand. Aus der asphaltieren Fahrbahndecke wird auf den nächsten
ca. 5 km Schotterpiste mit riesigen Schlaglöchern, die schlechteste Straße in
diesem Urlaub. Schon länger fließt parallel zur Straße ein kleiner Fluss, der
Blakkaga und wir wundern uns über die seltsame Farbe seines Wassers.
Offensichtlich ist das überwiegend Schmelzwasser des Gletschers, denn es ist
sehr trübe und sieht einer Seifenlauge nicht unähnlich. Am „unteren See“ finden wir einen Parkplatz mit
Kiosk, Campingplatz und Bootsanlegestelle. Ein geschäftstüchtiger Norweger
bringt die wanderfreudigen Touristen über den "unteren See" zum Weg
der zum "oberen See" führt, wo der Svartisen ins Wasser kalbt.
Die Wanderung zum Gletscher ist
weniger anstrengend als vorher vermutet, und beide Männer sind von ihrem
Ausflug begeistert. Da es jetzt erst 14:00Uhr ist, beschließen wir,
uns heute schon die Grönligrotte anzuschauen. Gesagt – getan. Bis zur Grotte sind es nur wenige
Kilometer Schotterpiste, allerdings ist der letzte Kilometer für jedes größere
Fahrzeug eine Prüfung: Es geht scheinbar im 45° Winkel steil bergan und mit
mehr als dem ersten Gang ist das kaum zu schaffen. Unser Womo zeigt nicht die
geringsten Ermüdungserscheinungen und klettert brav im Schritttempo den Berg
hinauf. Wir werden von einem Linienbus verfolgt, der sich wohl oder übel
unserem Tempo anpasst und respektvoll Abstand hält. Wir leiden mit dem Womo und
sind extrem erleichtert einen ebenerdigen Parkplatz vorzufinden. Inzwischen ist es richtig warm geworden, nicht nur
des Fahrens wegen. Trotzdem packen wir uns in lange Hose, Jacke und feste
Schuhe, denn in den Prospekten wurde das so empfohlen. In einem Hotel mit gemütlichem
Imbissbereich erkundigen wir uns nach den Besichtigungsmöglichkeiten und
erfahren, dass in ca. ½ Stunde eine etwa 50 minütige Führung vom Hotel aus
durch die Grotte gestartet wird. Wir kaufen Eintrittskarten und schauen dem
munteren Treiben der Busreisenden zu, einer deutschen und einer norwegischen
Familie. Die Mutter der norwegischen Familie scheint überzeugte Barfußanhängerin
zu sein, denn selbst bei der nun beginnenden Besichtigung der Grotte bleibt sie
ohne Schuhe! Unserer kleinen Gruppe schließt sich noch ein
italienischen Pärchen an, die, wie schon zuvor bei anderen Italienern
beobachtet und eigentlich nur bei Japanern für möglich gehalten, Amore mio vor
den Fels, Amore mio vor dem Baum, Amore mio vor der Wurzel....fotografieren. Wir gehen ca. 200 – 300m den Berg wieder
hinunter, den wir mit dem Womo zuvor ächzend erklommen hatten und ich ahne
nichts Gutes. Seitlich im Hang liegt der Eingang zur Grotte und unsere Führerin,
dieselbe junge Frau, die zuvor an der Imbisstheke stand und die Gäste
versorgte, erklärt uns wichtige Dinge zur Grotte. Sie wird sich als gute Führerin
durch das Labyrinth erweisen, erklärt sehr anschaulich und nimmt sich Zeit auch
für fotografierende Italiener. Mit sehr viel Routine ist sie im Übrigen auch
die erste, die den Hang zurück zum Hotel wieder oben ist und noch vor
Eintreffen der Gäste an der Imbisstheke steht! RESPEKT! Bereits nach wenigen Schritten erkennen wir, wie
wichtig feste Schuhe gewesen wären, Turnschuhe sind`s jedenfalls nicht. Die
Felsen sind wegen des unteririschen Baches extrem rutschig, vielleicht ist barfuß
wirklich die richtige Lösung! Ich bin dankbar für jedes Geländer an dem ich
mich festhalten kann und dank Norberts Fürsorge lande ich auch nicht zwischen
zwei Felsbrocken, denn die Spalte habe ich glatt übersehen. Kamera und
Fotoapparat packen wir ganz schnell weg, es
ist beinahe unmöglich einen standsicheren Platz zum Fotografieren zu finden.
Deshalb stammen die wenigen Aufnahmen, die wir machen können auch nur vom
Anfang der Höhle. Ich bin mir nicht sicher, ob die Fotos überhaupt
am Horizont ausgerichtet sind: In jedem Fall ist die Höhle
sehenswert, der Weg durch die Höhle ist anstrengend, man wird aber durch
wunderbare Eindrücke belohnt, und außerdem ist es nicht schlimm so ab und zu
auf dem Hosenboden die Steine entlang zu rutschen. Wir haben uns gerade so richtig eingeklettert, da
sind wir auch schon wieder aus der Höhle raus, hangeln uns am Hang entlang zurück
auf den 45°Grad Weg. Mein Knie klopft, meine Ferse klopft und nach 300m
bergan rattert auch noch das Herz wie ´ne Schlagbohrmaschine, aber sonst geht`s
mir gut! Im Hotel angekommen gönnen wir uns Hamburger mit
Pommes, selten hat Fast Food so gut geschmeckt wie hier, alleine dafür würden
wir noch einmal hierher fahren. Ehe wir der gemütlichen Atmosphäre ganz zum Opfer
fallen, beschließen wir die restlichen Kraftreserven in die Abfahrt des 45°Grad
Weges zu stecken. Gefühlvoll lässt Norbert das Womo den Berg
hinunterrollen und ich bin sicher, dass mein Bremsen mit beiden Füßen auf dem
Fahrzeugboden tiefe Dellen hinterlassen hat. Sicher, müde und zufrieden
erreichen wir um 17:30Uhr den wunderschönen Campingplatz Yttervik Camping
hinter Mo i Rana. Die „Thieles“ sind auch schon da. Ich erfahre in einem längeren
Gespräch einiges über ihre Reisegewohnheiten und beneide sie ehrlich um ihre
Erlebnisse in Schottland und Island.
|